„PaulaPaulTom ans Meer“

PaulaPaulTom ans Meer


Als Paula ihren Bruder zu einer Geburtstagsfeier aus dem Heim abholt, trifft sie dabei Tom, der beide herausfordert, Neues zu wagen.

Buchrezension

„Paula ist mal wieder die Dumme; da ihre Eltern aus durchsichtigen Gründen sich nicht in der Lage sehen, ihren älteren geistig behinderten Bruder Paul aus dem Heim zum Geburtstag des Großvaters nach Hause zu holen, muss sie fahren. Im Zug trifft sie Tom – eine ganz neue Erfahrung für sie: Er ist ehrlich, lustig, kann Saxofon spielen und zuhören kann er auch. Nachdem er die ganze Geschichte mit Paul erfahren hat, wartet er am Bahnhof und überredet Paula zu einer Fahrt ans Meer. – Kurze Sätze, viele Gedanken und Situationsbeschreibungen von Paula, dann kurze von Paul, Rückblicke in Paulas Familienleben, dann wieder SMS-Dialoge von Paula und Tom. Paula wächst mit Toms Hilfe über sich hinaus, wird erwachsener, lernt einen neuen Umgang mit ihrem Bruder. Der wiederum traut sich endlich, seine Mutter anzufassen. Auch Tom beginnt, sich mit seiner Mutter auszusöhnen. – Ein genialer Roman über nur wenige Tage für Jugendliche ab 14 Jahren, der absolut authentisch und wie im 1:1-Format eine Geschichte von der Entdeckung der eigenen Person und ihrer Stärken erzählt. Die Autorin beschreibt den behinderten Paul ebenso überzeugend wie Paula und Tom mit ihren eigenen Geschichten und Erfahrungen, die sie „behindern“. Das Buch macht Mut, quer zu denken, Neues auszuprobieren, die Welt gelassen zu betrachten. Versöhnendes Reden und Handeln spielt dabei eine große Rolle – nicht ohne dass es zuvor laut und unbequem werden kann. – Das Buch darf in keinem Bestand fehlen!“ (von Susanne Körber)

Verlagsinformationen

Mein Vater hat eine Daueraffäre mit seinen Laufschuhen. Meine Mutter mit ihren Farbtöpfen. Und ich? Hab keine Affäre. Ich hab bloß einen Bruder. Und der ist bescheuert. Wie ist das, wenn man als eigentlich kleine Schwester immer die Stärkere, die Vernünftige sein muss? Wie ist das, wenn der große Bruder nicht zuhause, sondern in einem Heim wohnt und die Mutter mit den Schuldgefühlen nicht klar kommt? Wie ist das, wenn man diesen Bruder plötzlich allein aus diesem Heim abholen muss, weil es eine Familienfeier gibt und die Eltern keine Zeit haben? Wie ist das, wenn man dann im Zug sitzt und kurz daran denkt, dass man eigentlich viel lieber einfach ans Meer fahren würde? Und wie ist das, wenn man genau in diesem Zug einen Tom trifft, einen Tom mit einem Saxofon, der in der Bahnhofshalle wartet, der absichtlich seinen Anschlusszug versäumt?
Dann ist das Meer vielleicht doch ganz nah, eine Möglichkeit, eine Option – eine kurze Reise zu dritt? Paula, Paul und Tom… ans Meer?
„Mama bringt mich um“, sage ich. Sie schütteln den Kopf.

Ein beeindruckender Jugendroman über das angestrengte Bemühen einer Familie, rund um einen „nicht ganz normalen“ Paul ein möglichst „normales“ Leben zu bauen. Und über das besondere Gefühl, als Schwester einmal ganz oben auf der Prioritätenliste zu stehen. Ich vermisse dich Mama, ich vermisse dich als jemand, der für mich da ist. Weil du immer zuerst für ihn da bist …

Auszeichnungen

  • White Raven 2016
  • Jugendliteraturpreis des Landes Steiermark, 2014 (Manuskript)

 

Buchrezession und Verlagsinformation von Susanne Körber – borromedien.de